Fragen an die Politik
Die Hochschulen des Landes Sachsen-Anhalt bilden ca. 55.000 Studierende aus, darunter ca. 17 Prozent aus dem Ausland, und geben dem Land durch die Bereitstellung von Fachkräften sowie die Forschung und den Transfer wesentliche Impulse.
Im vergangenen Jahr 2025 wurden zwischen den Hochschulen, den Standorten der Universitätsmedizin und dem Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt Zielvereinbarungen für die Jahre 2025-2029 geschlossen. Damit wurden die Rahmenbedingungen für die Entwicklungen der Hochschulen vereinbart.
Vor diesem Hintergrund stellt die Landesrektorenkonferenz des Landes Sachsen-Anhalt den im Landtag vertretenen Parteien sowie allen Parteien, deren Umfragewerte über 5 Prozent liegen Fragen zur Entwicklung des Hochschul- und Wissenschaftssystems. Deren Beantwortung durch die Parteien gibt den Studierenden, den Beschäftigten, den Vertreterinnen und Vertretern von Unternehmen und Institutionen sowie allen Bürgerinnen und Bürgern des Landes Orientierung für die Landtagswahl 2026:
1. Freiheit von Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre: Welchen Stellenwert hat die Freiheit von Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre für Ihre Partei im Kontext von Demokratie und Rechtsstaat? Wie wollen Sie die Freiheit von Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sichern?
2. Hochschulautonomie: Wie weit sollte nach Einschätzung Ihrer Partei die Hochschulautonomie gehen bzw. in welchen Bereichen ist aus Ihrer Sicht eine andersartige Lenkung des Hochschulbereichs durch die Landesregierung sinnvoll? Welche Rolle sollten die Statusgruppen bei der zukünftigen Gestaltung der Hochschulen haben?
3. Bürokratieabbau: In welchen Bereichen des Zusammenwirkens von Hochschulen und der Landesregierung/der Landesverwaltung/der Landesgesetzgebung ist ein Bürokratieabbau denkbar? Wäre in diesem Zusammenhang z. B. ein Verzicht auf Stellenpläne /Stellenübersichten sinnvoll?
4. Unterstützung von Studierenden/Studentenwerken: Wie steht Ihre Partei zu Forderungen einer echten BAFÖG-Reform entsprechend den Vorschlägen der HRK? Welche Maßnahmen plant Ihre Partei zur Verringerung des Armutsrisikos bei Studierenden im Allgemeinen und zur Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum für Studierende im Besonderen? Welche Planungen haben Sie bezüglich der Unterstützung der Studentenwerke, z. B. mit Blick auf den Ausbau von Wohnheimkapazitäten, Beratungs- und Unterstützungsinstrumente sowie Kita-Plätze für Studierende?
5. Demografischer Wandel/Fachkräftesicherung: Welche Ziele verfolgt Ihre Partei zur Internationalisierung der Hochschulen? Wie steht Ihre Partei zur Gewinnung internationaler Studierender und internationaler Mitarbeitender mit Blick auf voraussichtlich größer werdende Herausforderungen durch den demografischen Wandel und den daraus resultierenden Fachkräftemangel? Wie steht Ihre Partei zu Studiengebühren, insbesondere mit Blick auf Studierende z. B. aus Nicht-EU-Ländern? Welche Konzepte hat Ihre Partei, um das Land Sachsen-Anhalt als Wohn- und Arbeitsort für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie für Absolventinnen und Absolventen nach dem Abschluss von Studium oder Promotion attraktiv(er) zu machen? Wie steht Ihre Partei in diesem Zusammenhang zur Unterstützung, Förderung und zum Ausbau des Landesstudienkollegs?
6. Wissenschaftliche Karrierewege: Welchen Handlungsbedarf sieht Ihre Partei hinsichtlich der Erhöhung der Attraktivität und der Durchlässigkeit wissenschaftlicher Karrierewege, und wie wollen Sie die Hochschulen bei der Umsetzung entsprechender Schritte unterstützen?
7. Grundlagenforschung/Exzellenzwettbewerb: Welche Bedeutung hat aus der Sicht Ihrer Partei eine ausschließlich dem wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt gewidmete Grundlagenforschung? Auf welche Weise sollte diese gefördert werden? Welche Überlegungen gibt es in Ihrer Partei bezüglich der Unterstützung der Universitäten in den Exzellenzwettbewerben?
8. Angewandte Forschung, Transfer und Existenzgründung: Auf welche Weise sollen zukünftig angewandte Forschung an den Hochschulen und Existenzgründung aus den Hochschulen heraus gefördert werden? Auf welche Weise sollen die Hochschulen bei Aufgaben des Transfers unterstützt werden?
9. Gleichstellung und Chancengerechtigkeit: Welche Überlegungen gibt es hinsichtlich der Einhaltung von europäischen und bundesweiten Standards bzgl. Gleichstellung und Chancengerechtigkeit, auch mit Blick auf erfolgreiche Drittmitteleinwerbungen? Welche Maßnahmen planen Sie, um die Hochschulen bei der Erhöhung des Frauenanteils in der Wissenschaft zu unterstützen?
10. IT-Sicherheit, Krisen- und Notfallmanagement: Welche Unterstützung soll es zukünftig für zusätzliche Herausforderungen wie z. B. im Zusammenhang mit IT-Sicherheit oder der Vorbereitung auf Krisen und Notfälle geben?
11. Bau- und Sanierungsbedarfe: Welche Konzepte hat Ihre Partei im Hinblick auf Bau- und Sanierungsbedarfe (auch vor dem Hintergrund von Nachhaltigkeit, CO2-Vermeidung und Inklusion/Barrierefreiheit)?
12. Lehrkräftebildung/Medizinausbildung/Gesundheitsberufe: Welche Maßnahmen planen Sie im Bereich der Lehrkräftebildung? Welche Maßnahmen planen Sie im Bereich der Medizinausbildung und der Ausbildung von Gesundheitsberufen?
13. Hochschulsystem: Gibt es für die Zeit nach Ablauf der Zielvereinbarungsperiode 2025-2029 Überlegungen Ihrer Partei zur Weiterentwicklung der Hochschulstruktur? Planen Sie eine Novellierung des Hochschulgesetzes? Falls ja, welche maßgeblichen Änderungen planen Sie? Planen Sie weitere Änderungen im Hochschulsystem, die durch die Fragen nicht abgedeckt sind?
Folgende Parteien haben geantwortet:
Der AfD Landesverband Sachsen-Anhalt hat auf die Wahlprüfsteine der Landesrektorenkonferenz Sachsen-Anhalt nicht geantwortet. Eine Analyse des Mitte April 2026 auf dem Parteitag der AfD in Magdeburg beschlossenen Programms, die vom CHE (gemeinnütziges Centrum für Hochschulentwicklung) vorgenommen wurde, finden Sie unter https://www.che.de/download/check-sachsen-anhalt/
