Perspektiven der Hochschulentwicklung in Sachsen-Anhalt

08.12.2023 -  

Vor zehn Jahren wurde der „Bernburger Frieden“ geschlossen: Zeit ein wenig zurück, aber vor allem nach vorn zu blicken. Im November 2013 war die Landesregierung nach monatelangen starken Protesten von massiven Sparplänen an den Hochschulen und Universitätsklinika des Landes abgerückt. Am Ort des damaligen „Friedensschlusses“, dem Bernburger Campus der Hochschule Anhalt, trafen sich nun Vertreter aller sieben Hochschulen und die politischen Entscheidungsträger des Landes, um über „Perspektiven der Hochschulentwicklung in Sachsen-Anhalt“ zu diskutieren.

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Seinerzeit hatten sich Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff und Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann, damals noch Präsident der Landesrektorenkonferenz sowie Rektor der Hochschule Harz, die „Hand gegeben“ auf eine stabile Hochschulfinanzierung. Nun betonten beide, dass „seitdem gute Jahre hinter uns liegen“ und das Land dadurch über ein – auch für Investoren – attraktives Wissenschaftssystem verfügt. Einigkeit herrschte darüber, dass die Hochschulen den vielfältigen gesellschaftlichen Anforderungen, die vor ihnen liegen, auch zukünftig nur durch verlässliche Finanzierungszusagen des Landes, Bereitschaft zur kritischen Reflexion und offenen Austausch begegnen können.

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Haseloff versicherte, das Land werde auch künftig die Entwicklung der Hochschulen nach besten Kräften fördern. „Wichtig wird sein, dass wir noch mehr junge Menschen für ein Studium in Sachsen-Anhalt gewinnen können, auch aus dem Ausland, und wir die internationale Ausrichtung der Hochschulen weiter fördern“, so der Ministerpräsident.

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Die globale Perspektive lieferte eingangs Ulrich Müller vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Er beleuchtete eine Zeit, in der sich Gewissheiten auch gesamtgesellschaftlich auflösen, sichtbar in Diskussionen, die entkoppelt von Fakten geführt werden, der Entwicklung Künstlicher Intelligenz, die ganze Wirtschaftszweige in Frage stellt, und dem inzwischen fraglichen „weltweiten Sieg der Demokratie“. Auch im Hochschulbereich ist vieles unsicher: Die Unterschiede zwischen Studium und Berufsausbildung lösen sich ebenso auf wie die Trennlinien zwischen Online- und Präsenzlehre, einzelnen Disziplinen und Lebensphasen. Dass Hochschulen unentbehrlich sind, war sein Fazit, weil sie im besten Fall einordnen, Mut machen, Halt geben.

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Prof. Dr. Peer Pasternack vom Institut für Hochschulforschung konzentrierte sich auf den regionalen Nutzen von Hochschulen, was der Präsident der Landesrektorenkonferenz, Prof. Dr. Folker Roland, anschließend eindrücklich belegte. So wurde deren Bedeutung für die Entwicklung Sachsen-Anhalts – und darüber hinaus – anhand ausgewählter Projekte deutlich, darunter Forschungsvorhaben zu Biodiversität, Recycling und Lebensmittelproduktion. Auch im Rahmen digitalisierter Gesundheitsversorgung, der internationalen Fachkräftesicherung oder der regionalen Tourismusentwicklung sind die Hochschulen nicht weg zu denken. „Wir generieren eine messbare Wertschöpfung. Die Rendite von in Bildung investiertem Geld, unter anderem in Form von zusätzlichen Steuereinnahmen, ist beachtlich,“ so Roland.

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In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde nicht nur die aktuelle Situation reflektiert, sondern auch Details zur Bedeutung der Grundlagenforschung, der Forschungsfinanzierung an Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Nachhaltigkeitsaspekte von Bau- und Renovierungsmaßnahmen. Ministerpräsident Haseloff brachte zudem auf den Punkt, was immer wieder durchschien: „Es darf keine Entkopplung der Eliten geben.“ Milieuübergreifende Kommunikationsfähigkeit und „das Verlassen der eigenen Blase“ bleibe Grundlage des gesellschaftlichen Friedens. Willingmann betonte darauf aufbauend: „Hochschulen sind mit ihren Selbstverwaltungsstrukturen Horte der demokratischen Entscheidungsfindung und der Weltoffenheit. Demokratieverteidigung beginnt daher auch im Hörsaal“.

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Der Minister – inzwischen seit mehr als sieben Jahren in der Landesregierung für die Wissenschaft zuständig – bekräftigte abschließend die gute Zusammenarbeit und den trotz unterschiedlicher Positionen überall spürbaren Willen, Sachsen-Anhalt gemeinsam nach vorn bringen. Er machte deutlich: „Der Geburtenknick der 1990er Jahre wird spürbar bleiben.“ Die hiesigen 5.000 Abiturienten pro Jahrgang reichen nicht, um den Bedarf – allein an Ingenieuren, Lehrern, Ärzten – zu decken. „Sachsen-Anhalts Hochschulen müssen so attraktiv sein, dass sie aus der ganzen Bundesrepublik, aus der ganzen Welt, junge Menschen nach Sachsen-Anhalt ziehen. Dafür – und für ein verlässlich finanziertes, leistungsfähiges Wissenschaftssystem – bekommen sie die volle Unterstützung der Regierung.“

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Letzte Änderung: 13.12.2023 - Ansprechpartner: Webmaster