Aktuelles
Hochschulpolitik ist zentrale Zukunftspolitik für Sachsen-Anhalt
Landesrektorenkonferenz veröffentlicht hochschulpolitischen Zukunftscheck zur Landtagswahl und formuliert Erwartungen an die nächste Landesregierung
Der Umgang mit den Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Sachsen-
Anhalt wird nach der Landtagswahl zu einem zentralen Prüfstein der künftigen Landespolitik. Das
zeigt die Auswertung der Antworten von CDU, SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und BSW
auf die Wahlprüfsteine der Landesrektorenkonferenz Sachsen-Anhalt.
„Mit den Antworten der zur Landtagswahl antretenden Parteien auf die hochschulpolitischen
Wahlprüfsteine der LRK liegt erstmals vor der Wahl ein vergleichender Überblick darüber vor, wie die
Parteien zentrale Zukunftsfragen der Hochschulen bewerten“, sagt Prof. Folker Roland, Vorsitzender
der Landesrektorenkonferenz (LRK). Die AfD hat die Anfrage in der gesetzten Frist nicht beantwortet.
Aus Sicht der LRK ist die nächste Legislaturperiode entscheidend für die Leistungsfähigkeit des
Wissenschaftssystems. Sachsen-Anhalts Hochschulen bilden rund 55.000 Studierende aus,
gewinnen internationale Fachkräfte, sichern akademischen Nachwuchs, treiben Transfer und
Innovation voran und übernehmen zentrale Aufgaben in Lehrkräftebildung, Medizin,
Gesundheitsberufen und regionaler Entwicklung.
Viele Parteien würden sich zur Bedeutung der Universitäten und Hochschulen sowie zur Freiheit von
Wissenschaft, Forschung und Lehre bekennen, so Roland weiter. „Zugleich werden aber auch in
Teilen Unterschiede sichtbar, etwa bei der künftigen Grundfinanzierung, beim Umgang mit steigenden
Kosten, bei Studiengebühren für internationale Studierende, bei der Hochschulautonomie, bei
Investitionen in Gebäude und digitale Infrastruktur sowie bei der Weiterentwicklung der Lehrkräfte-
und Juristenausbildung und der Universitätsmedizinstandorte Halle und Magdeburg.“
Von besonderer Bedeutung ist aus Sicht der LRK die Hochschulautonomie. Sie sei kein Selbstzweck,
sondern Voraussetzung dafür, dass Hochschulen schnell, eigenverantwortlich und
wissenschaftsgeleitet auf neue Anforderungen reagieren können – in Studium und Lehre ebenso wie
in Forschung, Transfer, Internationalisierung und Weiterbildung. Die Wahlprogramme der Parteien
zeigen nach Einschätzung der LRK, dass es auch hierzu unterschiedliche Vorstellungen gibt: etwa
darüber, ob die Wissenschaftsfreiheit gewährleistet wird, wie viel Steuerung das Land ausüben soll,
welche Rolle Zielvereinbarungen spielen, wie weit Entscheidungsräume der Hochschulen reichen und
wie Autonomie mit Mitbestimmung und Hochschuldemokratie verbunden wird.
Zur Leistungsfähigkeit der Hochschulen gehören aus Sicht der Landesrektorenkonferenz starke
demokratische Strukturen. Hochschulen seien Orte freier Wissenschaft, offener Debatte und
verantwortlicher Selbstverwaltung. Dazu gehören gewählte Gremien, transparente
Entscheidungsprozesse, die Beteiligung aller Mitgliedergruppen und ausdrücklich auch eine verfasste
Studierendenschaft. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der demokratischen Verfasstheit der
Hochschulen und gibt Studierenden eine institutionelle Stimme in Fragen von Studium, Lehre,
Hochschulentwicklung und gesellschaftlicher Verantwortung.
„Ohne starke, international vernetzte Universitäten und Hochschulen gibt es keine Zukunft für
Sachsen-Anhalt. Wer Sachsen-Anhalt weiterentwickeln will, muss seine Universitäten und
Hochschulen stärken“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan, Rektor der Otto-von-Guericke-
Universität Magdeburg und stellvertretender Vorsitzender der LRK. „Sachsen-Anhalt kann es sich
nicht leisten, junge Talente zu verlieren und Forschungsstandorte zu schwächen“, sagt Prof. Dr.
Claudia Becker, Rektorin der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und ebenfalls stellvertretende
Vorsitzende der LRK.
Die LRK fordert aufbauend auf den Zielvereinbarungen 2025–2029, die die Hochschulen des Landes
mit dem Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt abgeschlossen haben, von
der künftigen Landesregierung daher verbindliche Zusagen:
1. Eine verlässliche Grundfinanzierung: Steigende Personal-, Energie-, Bau- und
Digitalisierungskosten dürfen nicht allein zulasten von Studium, Forschung und Beschäftigten
gehen.
2. Stärkung der Hochschulautonomie: Die Hochschulen brauchen weniger Bürokratie, mehr
Vertrauen und verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen, um ihre Aufgaben in Lehre,
Forschung, Transfer, Internationalisierung und Weiterbildung eigenverantwortlich erfüllen zu
können.
3. Schutz der Wissenschaftsfreiheit: Freie Forschung, offene Debatte und unabhängige Lehre
sind Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft und dürfen nicht politischem Druck
untergeordnet werden.
4. Stärkung demokratischer Hochschulstrukturen: Leistungsfähige Hochschulen brauchen
verlässliche Selbstverwaltung, transparente Entscheidungsprozesse, Beteiligung aller
Mitgliedergruppen und eine verfasste Studierendenschaft als festen Bestandteil ihrer
demokratischen Verfasstheit.
5. Sachsen-Anhalt muss ein international offener Wissenschaftsstandort bleiben:
Internationale Studierende, Forschende und Fachkräfte sind unverzichtbar für die
Leistungsfähigkeit der Hochschulen, für die Innovationskraft der Wirtschaft und die
demografische Entwicklung des Landes.
Der Präsident der LRK, Prof. Folker Roland, betont: „Wer nach der Landtagswahl
Regierungsverantwortung übernimmt, muss Hochschulpolitik als Zukunftspolitik begreifen.“
Kontakt für die Medien:
Katharina Vorwerk
Pressesprecherin der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
0391-67-58751
Fragen an die Politik
Die Hochschulen des Landes Sachsen-Anhalt bilden ca. 55.000 Studierende aus, darunter ca. 17 Prozent aus dem Ausland, und geben dem Land durch die Bereitstellung von Fachkräften sowie die Forschung und den Transfer wesentliche Impulse.
Im vergangenen Jahr 2025 wurden zwischen den Hochschulen, den Standorten der Universitätsmedizin und dem Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt Zielvereinbarungen für die Jahre 2025-2029 geschlossen. Damit wurden die Rahmenbedingungen für die Entwicklungen der Hochschulen vereinbart.
Vor diesem Hintergrund stellt die Landesrektorenkonferenz des Landes Sachsen-Anhalt den im Landtag vertretenen Parteien sowie allen Parteien, deren Umfragewerte über 5 Prozent liegen Fragen zur Entwicklung des Hochschul- und Wissenschaftssystems. Deren Beantwortung durch die Parteien gibt den Studierenden, den Beschäftigten, den Vertreterinnen und Vertretern von Unternehmen und Institutionen sowie allen Bürgerinnen und Bürgern des Landes Orientierung für die Landtagswahl 2026:
1. Freiheit von Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre: Welchen Stellenwert hat die Freiheit von Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre für Ihre Partei im Kontext von Demokratie und Rechtsstaat? Wie wollen Sie die Freiheit von Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sichern?
2. Hochschulautonomie: Wie weit sollte nach Einschätzung Ihrer Partei die Hochschulautonomie gehen bzw. in welchen Bereichen ist aus Ihrer Sicht eine andersartige Lenkung des Hochschulbereichs durch die Landesregierung sinnvoll? Welche Rolle sollten die Statusgruppen bei der zukünftigen Gestaltung der Hochschulen haben?
3. Bürokratieabbau: In welchen Bereichen des Zusammenwirkens von Hochschulen und der Landesregierung/der Landesverwaltung/der Landesgesetzgebung ist ein Bürokratieabbau denkbar? Wäre in diesem Zusammenhang z. B. ein Verzicht auf Stellenpläne /Stellenübersichten sinnvoll?
4. Unterstützung von Studierenden/Studentenwerken: Wie steht Ihre Partei zu Forderungen einer echten BAFÖG-Reform entsprechend den Vorschlägen der HRK? Welche Maßnahmen plant Ihre Partei zur Verringerung des Armutsrisikos bei Studierenden im Allgemeinen und zur Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum für Studierende im Besonderen? Welche Planungen haben Sie bezüglich der Unterstützung der Studentenwerke, z. B. mit Blick auf den Ausbau von Wohnheimkapazitäten, Beratungs- und Unterstützungsinstrumente sowie Kita-Plätze für Studierende?
5. Demografischer Wandel/Fachkräftesicherung: Welche Ziele verfolgt Ihre Partei zur Internationalisierung der Hochschulen? Wie steht Ihre Partei zur Gewinnung internationaler Studierender und internationaler Mitarbeitender mit Blick auf voraussichtlich größer werdende Herausforderungen durch den demografischen Wandel und den daraus resultierenden Fachkräftemangel? Wie steht Ihre Partei zu Studiengebühren, insbesondere mit Blick auf Studierende z. B. aus Nicht-EU-Ländern? Welche Konzepte hat Ihre Partei, um das Land Sachsen-Anhalt als Wohn- und Arbeitsort für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie für Absolventinnen und Absolventen nach dem Abschluss von Studium oder Promotion attraktiv(er) zu machen? Wie steht Ihre Partei in diesem Zusammenhang zur Unterstützung, Förderung und zum Ausbau des Landesstudienkollegs?
6. Wissenschaftliche Karrierewege: Welchen Handlungsbedarf sieht Ihre Partei hinsichtlich der Erhöhung der Attraktivität und der Durchlässigkeit wissenschaftlicher Karrierewege, und wie wollen Sie die Hochschulen bei der Umsetzung entsprechender Schritte unterstützen?
7. Grundlagenforschung/Exzellenzwettbewerb: Welche Bedeutung hat aus der Sicht Ihrer Partei eine ausschließlich dem wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt gewidmete Grundlagenforschung? Auf welche Weise sollte diese gefördert werden? Welche Überlegungen gibt es in Ihrer Partei bezüglich der Unterstützung der Universitäten in den Exzellenzwettbewerben?
8. Angewandte Forschung, Transfer und Existenzgründung: Auf welche Weise sollen zukünftig angewandte Forschung an den Hochschulen und Existenzgründung aus den Hochschulen heraus gefördert werden? Auf welche Weise sollen die Hochschulen bei Aufgaben des Transfers unterstützt werden?
9. Gleichstellung und Chancengerechtigkeit: Welche Überlegungen gibt es hinsichtlich der Einhaltung von europäischen und bundesweiten Standards bzgl. Gleichstellung und Chancengerechtigkeit, auch mit Blick auf erfolgreiche Drittmitteleinwerbungen? Welche Maßnahmen planen Sie, um die Hochschulen bei der Erhöhung des Frauenanteils in der Wissenschaft zu unterstützen?
10. IT-Sicherheit, Krisen- und Notfallmanagement: Welche Unterstützung soll es zukünftig für zusätzliche Herausforderungen wie z. B. im Zusammenhang mit IT-Sicherheit oder der Vorbereitung auf Krisen und Notfälle geben?
11. Bau- und Sanierungsbedarfe: Welche Konzepte hat Ihre Partei im Hinblick auf Bau- und Sanierungsbedarfe (auch vor dem Hintergrund von Nachhaltigkeit, CO2-Vermeidung und Inklusion/Barrierefreiheit)?
12. Lehrkräftebildung/Medizinausbildung/Gesundheitsberufe: Welche Maßnahmen planen Sie im Bereich der Lehrkräftebildung? Welche Maßnahmen planen Sie im Bereich der Medizinausbildung und der Ausbildung von Gesundheitsberufen?
13. Hochschulsystem: Gibt es für die Zeit nach Ablauf der Zielvereinbarungsperiode 2025-2029 Überlegungen Ihrer Partei zur Weiterentwicklung der Hochschulstruktur? Planen Sie eine Novellierung des Hochschulgesetzes? Falls ja, welche maßgeblichen Änderungen planen Sie? Planen Sie weitere Änderungen im Hochschulsystem, die durch die Fragen nicht abgedeckt sind?
Folgende Parteien haben fristgerecht geantwortet:
Der AfD Landesverband Sachsen-Anhalt hat auf die Wahlprüfsteine der Landesrektorenkonferenz Sachsen-Anhalt nicht fristgerecht geantwortet. Eine Analyse des Mitte April 2026 auf dem Parteitag der AfD in Magdeburg beschlossenen Programms, die vom CHE (gemeinnütziges Centrum für Hochschulentwicklung) vorgenommen wurde, finden Sie unter https://www.che.de/download/check-sachsen-anhalt/
02.07.2026 – Nachtrag
Der AfD Landesverband Sachsen-Anhalt hat mehrere Wochen nach Fristende auf die Wahlprüfsteine der Landesrektorenkonferenz geantwortet:
LRK betont die Bedeutung der Studierendenschaften für die Hochschulen
Die AfD-Fraktion im Landtag Sachsen-Anhalt hat einen Entwurf zur Änderung des Hochschulgesetzes vorgelegt, wonach „die verfasste Studierendenschaft als rechtskräftige Körperschaft des öffentlichen Rechts abgeschafft“ werden soll. Die Studierendenrätekonferenz Sachsen-Anhalt kritisiert den Gesetzentwurf scharf. Dieser Position schließt sich die Landesrektorenkonferenz Sachsen-Anhalt an. Ihr Präsident Prof. Dr. Folker Roland betont: „Die Auflösung der verfassten Studierendenschaften würde einen tiefen Eingriff in die demokratischen Strukturen der Hochschulen bedeuten und die Beteiligungs- und Mitgestaltungsmöglichkeiten der Studierenden in einer Weise einschränken, die die Hochschulen als Ganzes massiv schwächt.“
Die vollständige Pressemitteilung der Studierendenrätekonferenz ist hier nachzulesen.
Veranstaltungen zur Stärkung der Demokratie
Die Hochschulen Sachsen-Anhalts haben es sich zur Aufgabe gemacht, die demokratischen Einstellungen und das kulturelle Bewusstsein ihrer Studierenden zu stärken und sich gegen jede Form von Rassismus und Antisemitismus zu wenden. Bereits 2024 organisierten sie Veranstaltungen für Demokratie und Toleranz und bündelten diese in einer „Woche der wehrhaften Demokratie“. Auch 2025 und 2026 fanden und finden zahlreiche Angebote statt, mit denen die Hochschulen zeigen wollen, dass eine freiheitliche Demokratie und Rechtsstaatlichkeit unverrückbare Säulen unseres Landes und seiner Institutionen sind.
Die Angebote im Überblick
Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Jour Fixe-Sonderreihe: "Demokratie gibt's nicht umsonst. Eine Reihe der BURG zu Demokratieförderung"
Jour Fixe-Sonderreihe: "Antidiskriminierung und machtkritische Prozesse an der BURG fördern"
Hochschule Harz
Akademischer Abend in Halberstadt: "Freiheitsschock? Wie weiter?"
Fachtagung Antisemitismusprävention
Workshop zum Thema Hass im Netz
Akademischer Abend in Halberstadt: "Jüdisches Leben und Antisemitismus-Prävention"
Hochschule Magdeburg-Stendal
Lecture Series Diversity-Inclusion-Participation Summer Term 2026
Studientag Soziale Arbeit gegen Rechtsextremismus
Ringvorlesung „Haltung zeigen! Vielfalt an der Hochschule Magdeburg-Stendal fördern“
Hochschule Merseburg
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Podiumsdiskussion: Die Legislative in Gefahr?
Projektwoche "In Verteidigung der Demokratie"
